27. Juni 2005  

Willkommen zur Ausgabe Nr. 2 / 2005 der EBR-News.

 

Das Trainings- und Beratungsnetz "euro-betriebsrat.de"

informiert Sie rund um den Europäischen Betriebsrat und angrenzende Themen.

 

Die EBR-News erscheinen viermal jährlich.

Weitere Ausgaben finden Sie im Newsletter-Archiv.


Zum Ausdrucken können Sie diese Ausgabe der EBR-News als pdf-Datei downloaden.

 

 

 1. Fusionen und Restrukturierungen -
     zentrales Thema für den EBR

 

Unternehmen wollen durch Fusionen Synergievorteile nutzen. Für die Beschäftigten ist dies fast immer gleichbedeutend mit dem Verlust von Arbeitsplätzen, wie im Beispiel Bombardier (siehe Foto). Wie soll ein EBR auf Fusionen und Restrukturierungen reagieren? Wir berichteten in den EBR-News 1/2005 über das Beispiel General Motors und über Diskussionen, echte Mitbestimmungsrechte für Europäische Betriebsräte zu etablieren. Die Praxis sieht jedoch häufig anders aus, die Qualität von Information und Konsultation läßt zu wünschen übrig.

 

Die Rolle des EBR im "Change Management"

 

Bei einer Konferenz am 11. und 12. Mai 2005 in Paris berichteten etwa 30 Referenten, darunter viele EBR-Sekretäre (der Vorsitz liegt in französischen Firmen traditionell beim Arbeitgeber) über die mangelhafte Qualität der von der Konzernleitung gelieferten Informationen und die fehlende Zeit, eine begründete Stellungnahme auszuarbeiten. Die Folge sei ein fehlender Einfluß des EBR bei grenzüberschreitenden Restrukturierungen. Organisiert wurde die Konferenz von der Vereinigung "Europe et Société", die unabhängig von der Politik und den Sozialpartnern einen Ort zur Diskussion europapolitischer Themen in Frankreich bieten will.

 

Das eigentliche Motto der Konferenz waren jedoch die Herausforderungen der EU-Osterweiterung für Europäische Betriebsräte. Viele Redebeiträge zeigten, daß durch die EU-Osterweiterung zwar keine wirklich neuen Probleme entstanden sind, allerdings hätten sich die bereits vorhandenen Probleme für den EBR verschärft. Verhandlungen über die Anpassung der EBR-Vereinbarung konzentrieren sich meist auf die Zahl der Sitze, darüber hinausgehende Fragen (logistische und interkulturelle Probleme und soziale Befürchtungen innerhalb des Gremiums) werden kaum aufgegriffen. Auch nach der Erweiterung bleibt die eigentliche Herausforderung, den EBR funktionsfähig zu machen.

 

Eine weitere Konferenz fand am 11. Juni 2005 in Brüssel statt, dort wurde die Rolle Europäischer Betriebsräte in Umstrukturierungsprozessen diskutiert. Veranstalter waren die französische Betriebsräteberatung Syndex und der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB). Syndex hatte zuvor die EBR-Arbeit in den Unternehmen Miroglio, Reckitt Benckiser und Schneider Electric untersucht. Kernpunkte der Studie war die praktische Wirkung des EBR in Bezug auf die generelle Situation des Unternehmens, die Vorgehensweise bei Fusionen und bei Arbeitszeitregelungen.

 

Das Ergebnis der Studie zeigt die gleichen Probleme, die sich auch in vielen anderen Europäischen Betriebsräten stellen: Das Management gibt Informationen meist erst dann weiter, wenn die Entscheidungen bereits gefallen sind. Eine vorherige Konsultation findet bis auf Ausnahmen nicht statt. Zwischen den EBR-Mitgliedern gibt es teilweise gravierende Kommunikationsdefizite aufgrund von Sprachproblemen, fehlender Infrastruktur sowie von Fehleinschätzungen der Wichtigkeit von Informationen. Die EBR-Mitglieder sind nicht ausreichend auf ihre Tätigkeit vorbereitet und teilweise nur mangelhaft dafür ausgebildet.

 

Antworten der Gewerkschaften

 

EBR-Koordinatoren des Europäischen Gewerkschaftsverbandes für den Öffentlichen Dienst (EGÖD) hatten bereits im August 2004 Leitlinien für Fusionen und Übernahmen entwickelt, die für Unternehmen der Energie- und Wasserversorgung oder der Entsorgung richtungsweisend sind. Es finden sich darin zahlreiche praktische Empfehlungen für eine verbesserte EBR-Arbeit.

 

Für den Europäischen Metallgewerkschaftsbund (EMB) ist die Frage, wie auf grenzüberschreitende Umstrukturierungen zu reagieren sei, inzwischen zu einem Anliegen höchster Dringlichkeit geworden. Der EMB hatte am 7. und 8. Juni 2005 zehn Grundsätze für den Umgang mit Unternehmensrestrukturierungen beschlossen, die neben der Entwicklung eines Frühwarnsystems auch die völlige Transparenz aller in Europa für die Arbeitnehmerseite verfügbaren Informationen beinhaltet. Ähnlich wie bei General Motors sollen Vertreter des EMB-Sekretariats, EBR- und Aufsichtsratsmitglieder des betroffenen Unternehmens und hauptamtliche Betriebsbetreuer der nationalen Gewerkschaften ad hoc eine Koordinierungsgruppe bilden, sobald eine Umstrukturierung ansteht.


  

Aktuelles Beispiel: die Fusion von UniCredit und HypoVereinsbank

Bevor ein Europäischer Betriebsrat seine Konsultationsrechte wahrnehmen kann, muß es überhaupt erst einmal einen EBR geben. Arbeitnehmervertreter der an der Fusion beteiligten Banken aus Italien, Deutschland und Österreich beschlossen daher bei einem Treffen in Wien am 24. Juni 2005, einen EBR bei UniCredit zu gründen.

Während die Konzernleitung rund 7% der 150.000 Beschäftigen abbauen möchte, fordern die Gewerkschaften Gespräche über die künftige Strategie. Entlassungen als Folge der Fusion sollen ausgeschlossen und die geltenden Tarifverträge und Arbeitsbedingungen sowie die nationalen Banken und Standorte erhalten werden. Besonders dramatisch ist die Situation in Polen, wo die Zusammenlegung der zweit- und drittgrößten Bank des Landes rund 6.000 Arbeitsplätze kosten kann. Im Gegensatz zu den Betriebsräten der Mutterbanken sollen die Arbeitnehmervertreter der polnischen Töchter - so schreibt die Stuttgarter Zeitung am 14. Juni 2005 - über die Fusion weder informiert noch konsultiert worden sein.

In der Bayerischen Vereinsbank gab es bereits seit 1996 einen EBR. Als Folge der Fusion mit der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank zur HypoVereinsbank wurde dieser 1999 erweitert und nach dem Zukauf der Bank Austria 2001 erneut aufgestockt. Bei UniCredit gibt es dagegen - wie in der Mehrzahl der italienischen Firmen - noch keine grenzüberschreitende Arbeitnehmervertretung. Von den 65 EBR-fähigen Unternehmen in Italien hatten bis April 2005 erst 23 einen EBR gegründet, so die Zahlen des Europäischen Gewerkschaftsinstituts (EGI) in Brüssel.


Veranstaltungshinweis:

Am 29. September 2005 führt der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) in Wien eine Konferenz unter dem Motto "10 Jahre Pionierarbeit - Der Europäische Betriebsrat in der Praxis" durch. Referenten werden Dr. Willy Buschak von der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dublin und Dr. Werner Altmeyer vom Trainings- und Beratungsnetz "euro-betriebsrat.de" in Hamburg sein. An dieser Veranstaltung können auch Gäste aus Deutschland und anderen Ländern teilnehmen.

  2. Verwirrung um Revision der EBR-Richtlinie
 
 

Im April 2004 hatte die Europäische Kommission das Verfahren zur Revision der Richtlinie über Europäische Betriebsräte eingeleitet, die Stellungnahmen der Sozialpartner liegen seit Juni 2004 vor. Seit März 2005 gibt es eine von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden gemeinsam formulierte Auswertung der zwei Sozialpartner-Seminare, die im Herbst 2004 in Brüssel stattgefunden hatten. Die dort präsentierten Fallstudien über die Arbeit Europäischer Betriebsräte sollten Grundlage der zweiten Phase der Anhörungen und damit des weiteren Gesetzgebungsverfahrens werden. Folgende Dokumente liegen nur in englischer Sprache vor.

Nachdem die Auswertung der Sozialpartner-Seminare vorlag, setzte EU-Kommissar Vladimír Špidla am 31. März 2005 die zweite Phase der Konsultationen in Gang. In einer 15 Seiten umfassenden Mitteilung nahm die Europäische Kommission zum Thema "Umstrukturierung und Beschäftigung" Stellung und ersuchte die europäischen Sozialpartner,

"die laufenden Arbeiten voranzutreiben und Verhandlungen aufzunehmen, mit dem Ziel, zu einer Vereinbarung über Mittel und Wege zu gelangen, die es ermöglichen, bewährte Verfahren für die Arbeitsweise der Europäischen Betriebsräte zu fördern, um ihre Wirksamkeit, vor allem bei der Wahrnehmung ihrer Rolle als Akteure des Wandels zu verbessern."

Mit diesem Dokument wurden die Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände auf europäischer Ebene erneut aufgefordert, in eigener Regie den Text einer veränderten EBR-Richtlinie auszuhandeln. Sollte es dabei zu einer einvernehmlichen Regelung kommen, wird diese mit großer Wahrscheinlichkeit als neue EBR-Richtlinie in Kraft gesetzt. Die Europäische Kommission will die Arbeiten der Sozialpartner bis zum Sozialgipfel im Jahre 2006 verfolgen und die erzielten Fortschritte analysieren.

Kritik des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB)

Derzeit ist strittig, ob die zweite Phase der Konsultationen im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens überhaupt schon begonnen hat. In einer rechtlichen Bewertung bemängelt der EGB, daß es an einer Zeitvorgabe seitens der Europäischen Kommission fehlt und keine konkreten Vorschläge für die Inhalte einer neuen EBR-Richtlinie gemacht wurden. Da kein Gegenstand konkret fixiert worden sei, ist die Mitteilung vom 31. März 2005 aus Sicht des EGB ohne jede rechtliche Verbindlichkeit.

Weiterhin kritisiert der EGB, daß die Zusammenfassung mehrerer Gesetzgebungsverfahren bezüglich "Europäische Betriebsräte" und "Umstrukturierungen" wenig Sinn mache. Am 7. Juni 2005 tagte in Brüssel die "Workers' Participation working group" des EGB, ein Kreis von Gewerkschaftssekretären aus ganz Europa, der sich regelmäßig mit Fragen betrieblicher Arbeitnehmerbeteiligung befaßt. Dort wurde mehrheitlich die Auffassung vertreten, eine Konzentration auf fünf Schlüsselforderungen sei im weiteren Gesetzgebungsverfahren sinnvoller als ein Festhalten an den 26 (Maximal-)Forderungen des Strategiepapiers vom Februar 2004. Ein Vorschlag der deutschen Gewerkschaften zur Gründung einer EBR-Arbeitsgruppe zur Begleitung des weiteren Gesetzgebungsverfahrens fand keine Mehrheit.

Nähere Informationen sowie zahlreiche Dokumente zum Download haben wir auf einer Sonderseite  zusammengestellt, die regelmäßig aktualisiert wird.

 
  3. Neue Personen - neue Initiativen?
 
 
ETF-Kongreß wählte neuen Generalsekretär

Rund 400 Gewerkschafter aus dem Transportwesen versammelten sich am 25. und 26. Mai 2005 in Mariehamn/Finnland zum zweiten ordentlichen Kongreß der Europäischen Transarbeiterföderation. Die ETF wurde erst 1999 gegründet und ist daher noch ein relativ junger europäischer Dachverband. Zum neuen Generalsekretär wurde der Portugiese Eduardo Chagas gewählt, der zuvor für die Schiffahrtssektion der ETF zuständig war.

Wir berichteten bereits in den EBR-News 1/2005 über den Personalwechsel beim Europäischen Metallgewerkschaftsbund (EMB). Am 1. März 2005 nahm dort Peter Scherrer aus Deutschland seine Arbeit auf. Beide Generalsekretäre sind 45 Jahre alt und hatten vor ihrer Gewerkschaftslaufbahn schon einen "richtigen" Beruf ausgeübt: Chagas war Seefahrer und Scherrer Schlosser. Was wollen die Neuen an der Spitze zweier europäischer Gewerkschaftsverbände an der Strategie ihrer Organisation verändern? Wie denken sie über den Stellenwert, den Europäische Betriebsräte in ihrer Branche haben? Und welche gewerkschaftlichen Herausforderungen sehen sie für die EBR-Arbeit? Unsere Newsletter-Redakteurin Kathleen Kollewe hat bei den beiden neuen Generalsekretären in Brüssel genauer nachgefragt.

Peter Scherrer (links) leitete bei der Hans-Böckler-Stiftung das Referat Internationales, arbeitete dann beim EGB in Brüssel und war zuletzt im Düsseldorfer Stahlbüro der IG Metall für die Betreuung des ThyssenKrupp-Konzerns zuständig. Er ist Mitbegründer der Zeitschrift "South East Europe Review for Labour and Social Affairs". Eduardo Chagas (rechts) war seit dem Jahr 2000 innerhalb der ETF für den Bereich Seeschiffahrt verantwortlich, zugleich Vorstandsmitglied der Seefahrergewerkschaft FSM und des Gewerkschaftsdachverbandes CGDP in Portugal.


Neuer EBR-Koordinator bei der IG BAU

Ein neues Gesicht gibt es auch bei der IG BAU in Frankfurt. Seit dem 18. April 2005 ist Matthias Hartwich für die Koordinierung sämtlicher EBR-Aktivitäten zuständig. Zuvor war er Geschäftsführer des Bezirksverbandes Schwaben mit Sitz in Augsburg, wo auch die Walter Bau AG vereinigt mit Dywidag ihren Sitz hatte. Er ist 38 Jahre alt und lernte nach seinem Studium der Politikwissenschaften das "Handwerk" des Gewerkschaftssekretärs von der Pike auf.

  4. Neues von der Europäischen Aktiengesellschaft (SE)
 

Strabag: Rechtsstreit vorläufig ausgesetzt

Wir berichteten in den EBR-News 4/2004 bereits über die Umwandlung der österreichischen Baugesellschaft Strabag in eine Europäische Gesellschaft. Die Eintragung der Strabag SE im Firmenbuch hätte den Abschluß einer Mitbestimmungsregelung durch ein Besonderes Verhandlungsgremium (BVG) erfordert, was von der Konzernleitung jedoch versäumt wurde. Nachdem mehrere ausländische Gewerkschaften und die Bundesarbeitskammer von Österreich Rechtsmittel gegen die Entscheidung des zuständigen Firmenbuchgerichts eingelegt hatten, finden jetzt außergerichtliche Bemühungen statt, doch noch ein BVG zu gründen und Verhandlungen über eine Mitbestimmungsvereinbarung aufzunehmen. Der Rechtsstreit ist jedoch nicht beendet, sondern nur vorläufig ausgesetzt worden.

Neue SE-Gründungen

Im Januar 2005 hatte die österreichische Personalberatung Neumann Partners die Rechtsform einer SE angenommen. Inzwischen sind erstmals auch Europäische Aktiengesellschaften in Deutschland und in Großbritannien gegründet worden. Es handelt sich um die Go-East-Invest SE in Berlin sowie um die Schering-Plough Clinical Trials SE, in der britische und irische Niederlassungen des US-Pharmaherstellers Schering-Plough zusammengefaßt wurden. 

Weitere SE-Gründungen sind derzeit in Vorbereitung, so z. B. die von 16 Unternehmen getragene Zoll Pool Hafen Hamburg SE, die im Bereich der Zollabfertigung für Transitcontainer tätig ist. Auch der französische Wirtschaftsprüfer Mazars plant diesen Schritt. In allen diesen Fällen ist wegen der geringen Zahl betroffener Arbeitnehmer jedoch keine Mitbestimmungsregelung erforderlich. Weitere Hintergrundinformationen zum Thema haben wir auf einer SE-Sonderseite zusammengestellt.


Konferenz der Hans-Böckler-Stiftung

Im Februar 2005 trafen sich in Berlin auf Einladung der Hans-Böckler-Stiftung Arbeitnehmervertreter in Verwaltungsräten aus Irland, Dänemark, Schweden, Norwegen und Frankreich zum Erfahrungsaustausch. Die Präsentationen der Referenten stehen jetzt zum Download zur Verfügung, sie vermitteln einen praktischen Einblick in die Corporate Governance unserer Nachbarländer (zum Vergrößern der Karte bitte rechts auf das Bild klicken).

Mitbestimmung in Dänemark

In dänischen Verwaltungsräten sitzen über 3.000 Arbeitnehmervertreter, bereits für Unternehmen ab 35 Beschäftigten gilt eine entsprechende Mitbestimmungsregelung. Kürzlich hat die Copenhagen Business School eine Studie über deren Arbeit vorgelegt.

  5. Europäische Betriebsräte in der Praxis
 
 

RWE Energy bekommt jetzt offiziell einen EBR

Wir berichteten in den EBR-News 1/2005 über die politischen Stellungnahmen des Besonderen Verhandlungsgremiums (BVG) von RWE Energy. Dadurch hatte die eigentliche EBR-Arbeit faktisch schon vor der Konstituierung eines Europäischen Betriebsrates begonnen. Am 1. März 2005 wurden die Verhandlungen nun mit der Unterzeichnung einer EBR-Vereinbarung abgeschlossen.

Innerhalb der RWE-Gruppe ist RWE Energy mit rund 42.000 Beschäftigten für den Strom-, Gas- und Wasserabsatz in sieben Ländern zuständig. Dem neuen EBR werden Delegierte aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei angehören. Vorgesehen sind zwei jährliche Sitzungen, die in der Regel in Essen oder Dortmund stattfinden. Pro vierjährige Amtsperiode ist ein Schulungsanspruch von drei Tagen vereinbart. Dem geschäftsführenden EBR-Ausschuß sollen sieben Mitglieder aus allen beteiligten Ländern angehören.


 

Verbesserte Konsultationsrechte bei Axa

 

Am 4. April 2005 wurde in der französischen Versicherungsgruppe Axa ein Abkommen des sozialen Dialogs unterzeichnet. Der Europäische Betriebsrat konnte damit eine verbesserte Regelung zur Information und Konsultation bei Restrukturierungen durchsetzen. Die zentrale Leitung verpflichtet sich zur Einhaltung von neun Prinzipien, die auch für die Landesgesellschaften gegenüber den nationalen Arbeitnehmervertretungen vor Ort gelten. Themen wie lebenslanges Lernen, Arbeits- und Gesundheitsschutz wie auch Antidiskriminierung sind Bestandteil dieser Prinzipien. Das Präsidium des EBR kann die Einhaltung des Abkommens in monatlichen Sitzungen überwachen.


 

Portugal: Banco Espirito Santo

 

Die bisher einzige transnationale Arbeitnehmervertretung in einem portugiesischen Unternehmen darf seit 7. April 2005 offiziell die Bezeichnung "Europäischer Betriebsrat" tragen. In der Bankengruppe Espirito Santo gibt es seit 2003 ein Abkommen zur grenzüberschreitenden Information und Konsultation. Allerdings war der Bankvorstand bisher nicht bereit, das Gremium als Europäischen Betriebsrat anzuerkennen. Das Abkommen selbst bleibt davon unberührt.

 


Erste Bank gründet EBR

Am 19. April 2005 wurde in Wien eine EBR-Vereinbarung für die Erste Bank unterzeichnet. Es handelt sich um die erste Neugründung eines Europäischen Betriebsrates in einem österreichischen Unternehmen seit der EU-Osterweiterung. Der Schritt gilt als richtungsweisend, weil österreichische Unternehmen im Finanzdienstleistungssektor zu den größten Investoren in den EU-Beitrittsländern gehören.

 

Neben den österreichischen Betriebsräten nehmen an den künftigen EBR-Sitzungen Delegierte aus Tschechien, Ungarn und der Slowakei teil, Kroatien und Serbien entsenden Gastdelegierte. Erstes Thema des Europäischen Betriebsrates wird die europaweite Koordinierung und das Controlling eines neuen Modells der Mitarbeiterbeteiligung sein.


 

Überarbeitete EBR-Vereinbarung bei EdF

Beim französischen Stromversorger Électricité de France (EdF) wurde die EBR-Vereinbarung aus dem Jahre 2001 revidiert. Kernpunkt der am 18. Mai 2005 unterzeichneten Textänderungen ist die Konkretisierung des Zeitpunkts und des Umfangs von Information und Konsultation. Nach den negativen Erfahrungen der Arbeitnehmervertreter bei europaweiten Restrukturierungen des Konzerns (wir berichteten in den EBR-News 1/2005) bestand hier Handlungsbedarf.

Weiterhin wird das Sekretariat des EBR (in Frankreich ist dies eine gebräuchliche Bezeichnung für den geschäftsführenden Ausschuß) von acht auf zwölf Mitglieder vergrößert. Entsprechend der französischen Praxis, wonach Betriebsräte vom Arbeitgeber ein Budget in eigener Verantwortung zur Verfügung gestellt bekommen, erhält der EBR für das Jahr 2005 die Summe von 185.000 €, davon 70.000 € für externe Beratung. Der EBR wird auch eine eigene Intranet-Seite erstellen.

Zahlreiche weitere EBR-Vereinbarungen stehen auf unserer Downloadseite zur Verfügung.

 


Behinderung der EBR-Gründung: ein Erfahrungsbericht

Wir berichteten in den EBR-News 1/2005 über die Abmahnung gegen Kersten Artus, die Vorsitzende des Besonderen Verhandlungsgremiums (BVG) und Konzernbetriebsrats der Bauer-Verlagsgruppe in Hamburg. Der Arbeitgeber betreibt seit Jahren Obstruktion, um die EBR-Gründung zu vermeiden. Hier der aktuelle Stand:

Wir haben einen neuen englischen Vertreter. Darüber sind wir sehr froh, weil wir dachten, nun würde der Arbeitgeber endlich einen Termin für die Fortsetzung der Verhandlungen ansetzen. Man hatte uns, solange die Entsendung aus London unklar war, keinen neuen Termin angeboten, "weil das BVG ja unvollständig sei". Übersetzungen ins Englische wurden auch nicht mehr gestattet.

Dennoch gibt es keinen neuen Termin. Begründung: weil es keinen Vertreter aus Polen gibt. Es gab eine gewählte Vertreterin, deren Wahl aber vom polnischen Bauer-Management nicht akzeptiert wurde, weil sie nicht von der gesamten polnischen Belegschaft gewählt war. Die Kollegin wurde mittlerweile entlassen. Ob das in einem Zusammenhang mit ihrer Wahl steht, wissen wir noch nicht. Außerdem wurde behauptet, es gäbe für Polen kein EBR-Umsetzungsgesetz - was wir erst durch die Zuleitung des Textes widerlegen mußten. Immerhin gibt es mittlerweile einen deutschsprachigen Vertreter aus Tschechien.

Mit den Übersetzungen haben wir immer noch große Probleme, denn wir bekommen keine Dolmetscher zur Seite gestellt. Uns unterstützen zwei Kolleginnen beim Übersetzen von französischen, spanischen und englischen Briefen und E-Mails neben ihrer normalen Arbeit, was zu großen zeitlichen Verzögerungen führt. Dennoch: Trotz der Probleme halten wir regelmäßigen Kontakt zu allen BVG-Mitgliedern. Im Juli werden wir das weitere Vorgehen beraten.

Das Verfahren vor dem Hamburger Arbeitsgericht gegen meine Abmahung wegen der Teilnahme am EBR-Seminar wird fortgesetzt, der Arbeitgeber scheint hier aber einlenken zu wollen.

Kersten Artus
Vorsitzende des BVG der Bauer-Verlagsgruppe

 

  6. Grenzübergreifende Initiativen und Netzwerke
 

Betriebsrätenetzwerk in der Fleischwirtschaft

Am 10. März 2005 kündigte die Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten (NGG) in Hamburg an, mit Gewerkschaften aus Dänemark, Großbritannien, Polen, Ungarn und den Niederlanden ein europäisches Betriebsrätenetzwerk in der Fleischwirtschaft zu gründen. Damit soll der Gefahr des Lohndumping durch die geplante Einführung des Herkunftslandprinzips bei EU-weit angebotenen Dienstleistungen entgegengewirkt werden.

Seit der EU-Erweiterung häufen sich Berichte vom Einsatz mehrerer Tausend vorwiegend polnischer Fleischer, die in deutschen Schlachthöfen zu deutlich niedrigeren Löhnen und längeren Arbeitszeiten als vergleichbare deutsche Arbeitnehmer tätig wurden. Die Bundesregierung beschloß daher am 13. April 2005 die Einrichtung einer "Task Force zur Bekämpfung des Mißbrauchs der Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit“. Die Regierungsfraktionen brachten am 10. Mai 2005 den "Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes“ in den Bundestag ein, der derzeit im Ausschuß für Wirtschaft und Arbeit beraten wird.

Auch in Österreich haben Betriebsräte der Nahrungsmittelbranche am 16. Juni 2005 bei einer Konferenz in Wien erklärt, ihre grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu verstärken.


 

Globale Abkommen zur sozialen Verantwortung

Zum ersten Mal hat sich ein norwegisches Bauunternehmen vertraglich zu seiner weltweiten sozialen Verantwortung bekannt. Veidekke, mit rund 5.500 Beschäftigten eines der führenden Unternehmen der Branche in Skandinavien, hat am 31. März 2005 ein weltweit gültiges Rahmenabkommen mit den Gewerkschaften unterzeichnet. Kernpunkte sind Arbeitsbedingungen, Gesundheitsstandards und Umweltverträglichkeit.

Am 26. April 2005 wurde ein vergleichbares Abkommen für BMW unterzeichnet. Im Metallsektor ist es bereits das elfte weltweite Abkommen seiner Art. Die Konzernleitung von BMW will soziale Mindeststandards nicht nur im eigenen Unternehmen einhalten, sondern auch zur Grundlage für dauerhaft tragfähige Zulieferbeziehungen machen. An den Verhandlungen war der Europäische Betriebsrat von BMW maßgeblich beteiligt.

Am 9. Mai 2005 wurde in Berlin erstmals ein Rahmenabkommen über Grundsätze der Arbeits- und Sozialpolitik mit einem Unternehmen der Kurier-, Paket- und Expreßdienstbranche abgeschlossen. Das Unternehmen GeoPost gehört zur französischen Gruppe La Poste und ist in Deutschland mit dem Deutschen Paketdienst (DPD) vertreten. Neben den üblichen Punkten enthält das Abkommen einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Die Verhandlungen führte die Gewerkschaft ver.di gemeinsam mit der schweizerischen Gewerkschaft Kommunikation und den Gewerkschaftsbünden CGT, CFDT und CGT-FO aus Frankreich.

Die Texte weiterer Abkommen haben wir auf unserer Downloadseite zusammengestellt.


Deutsche Telekom will über globale Sozialstandards verhandeln

Am 11. Mai 2005 erklärte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom sich erstmals bereit, mit den Gewerkschaften über ein weltweites Rahmenabkommen zu verhandeln. Vorausgegangen waren Verstöße gegen grundlegende Rechte der Arbeitnehmer in einer US-Tochtergesellschaft, die Anlaß zu Protesten bis hin zu einem Schreiben an Bundeskanzler Schröder waren (wir berichteten in den EBR-News 1/2005).

Während die Konzernleitung sich mit dieser Ankündigung als sozial verantwortliches Unternehmen in der Öffentlichkeit präsentieren möchte, sind jetzt Probleme in der britischen Tochter T-Mobile UK bekanntgeworden. Das dortige Management möchte innerhalb von zwei Jahren 800 Arbeitsplätze abbauen und weigert sich, mit den zuständigen Gewerkschaften hierüber zu verhandeln. Auf der Webseite von UNI-Europa kann gegen dieses Verhalten protestiert werden (für weitere Informationen links auf den Button klicken).


Studie zur sozialen Verantwortung

Mitte Juni 2005 legte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG eine neue Studie über Trends in der Corporate Social Responsibilty in mehr als 1.600 Unternehmen vor. Deutlich zugenommen hat die soziale Verantwortung danach vor allem im Bankensektor.

  7. Europäische Betriebsräte in Polen
 
 
Das wirtschaftlich bedeutendste und bevölkerungsreichste der neuen EU-Länder steht zahlenmäßig auch bei den Europäischen Betriebsräten an der Spitze. Von insgesamt 2.169 EBR-fähigen Unternehmen in der EU sind 784 mit einer Niederlassung in Polen vertreten (alle Zahlen von Dezember 2004). Ungarn folgt mit 644 und Tschechien mit 609 Unternehmen, alle anderen EU-Beitrittsländer spielen eine weit geringere Rolle. Von den 784 Unternehmen haben allerdings nur acht ihren Hauptsitz in Polen, eines davon ist die Fluggesellschaft LOT. Bisher wurde noch in keinem der acht polnischen Unternehmen ein EBR gegründet. Polen gilt nicht als einfaches Pflaster für die Arbeitnehmervertretung: der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist mit 15% vergleichsweise niedrig und die Arbeitslosigkeit mit knapp 20% die höchste in der ganzen EU.

Der Gewerkschaftsbund Solidarność schätzt, daß zur Zeit über 200 polnische Delegierte in etwa 100 Europäischen Betriebsräten vertreten sind. Zum Zeitpunkt des EU-Beitritts im Mai 2004 waren es erst rund 60 Delegierte. Der EBR des französischen Elektronikproduzenten Thomson Multimedia nahm 1994 als erster einen polnischen Delegierten auf. Ab 1997 folgten weitere Unternehmen, darunter Volkswagen, wo ein polnischer Vertreter bereits dem Lenkungsausschuß des EBR angehörte, als Polen noch kein EU-Mitglied war.

Die meisten polnischen EBR-Vertreter gehören entweder der Solidarność oder dem konkurrierenden Gewerkschaftsbund OPZZ an. Gibt es im Betrieb keine Gewerkschaft, so werden die Delegierten aus Belegschaftsinitiativen heraus gewählt oder gar vom Management nominiert. Polen kennt keine Betriebsräte. Ähnlich wie in Großbritannien wird die Arbeitnehmervertretung ausschließlich durch betriebliche Vertrauensleute wahrgenommen und läßt hinsichtlich der Erfüllung von EU-Standards zu wünschen übrig.


Forschungsberichte zur Unternehmenskultur und Arbeitnehmerbeteiligung
 
Im Auftrag von Hans-Böckler- und Bertelsmann-Stiftung wurden im Jahre 2003 Managementstile und betriebliche Arbeitsbeziehungen bei ausländischen Unternehmen untersucht, die einen Standort in Tschechien, Ungarn und Polen unterhalten. In diesem Rahmen legte Eckhard Voß von wmp-consult in Hamburg einen Länderbericht über industrielle Beziehungen und Unternehmenskultur in Polen vor.

Derzeit findet ein weiteres Forschungsprojekt gerade seinen Abschluß. Durchgeführt wurde das sogenannte „ViVe“-Projekt im Auftrag des Europäischen Metallgewerkschaftsbundes (EMB) und der Europäischen Föderation der Chemiegewerkschaften (EMCEF) durch wmp-consult in Hamburg und das Europäische Gewerkschaftsinstitut in Brüssel. In diesem Rahmen fand im Herbst 2004 in Warschau ein Hearing mit Spitzenvertretern von Ministerien, Verbänden und Unternehmen über die Implementierung von EU-Richtlinien zur Arbeitnehmerbeteiligung statt. Kernpunkt der Diskussion war die Rolle von Europäischen Betriebsräten in Polen.


 

Deutsch-polnischer EBR gegründet

Am 18. März 2005 wurde in Danzig eine EBR-Vereinbarung für die Stadtwerke Leipzig mit ihren rund 2.000 Beschäftigten unterzeichnet, es handelt sich dabei um die erste EBR-Gründung in einem städtischen Unternehmen überhaupt. Im Jahre 2004 hatten die Stadtwerke Leipzig die kommunalen Versorgungsbetriebe in drei polnischen Städten aufgekauft. Die EBR-Vereinbarung ist in mehreren Punkten richtungsweisend: neben einem umfangreichen Schulungsanspruch für die EBR-Mitglieder (fünf Tage pro Jahr) und zwei jährlichen Sitzungen kann der EBR zusätzlich auch operative Arbeitsgruppen bilden. Seine Themenpalette erstreckt sich - neben den gesetzlich definierten Bereichen - auch auf Gleichstellung, Umweltschutz und betriebliche Gesundheitspolitik.

  8. Diskussion über Mindestlöhne und
      Arbeitsbedingungen in Call Centern
 
Tagung über Mindestlöhne
 
Während in Deutschland noch über die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes diskutiert wird, ist dies in vielen anderen Ländern seit Jahren fester Bestandteil des Sozialsystems (zum Vergrößern rechts auf die Grafik klicken). Am 21. und 22. April 2005 diskutierten auf einer Konferenz in Zürich Gewerkschafter und Wissenschaftler aus mehreren Ländern über eine gemeinsame europäische Mindestlohnpolitik. Das deutsche WSI (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut in der Hans-Böckler-Stiftung), das Schweizer Denknetz und das französische IRES (Institut de Recherches Économiques et Sociales) stellten "Thesen für eine europäische Mindestlohnpolitik" zur Diskussion.

Gesellschaftliche Verantwortung in Call Centern

Call Center gelten als die "sweat shops" des 21. Jahrhunderts. Für die Gewerkschaften stellt es eine Herausforderung dar, Arbeitnehmervertretungen zu installieren und grundlegende soziale Standards durchzusetzen. Derzeit befindet sich die Branche in einem stürmischen Internationalisierungsprozeß. Der Gewerkschaftsdachverband UNI-Europa hat daher eine Charta für die Arbeitsbedingungen in Call Centern entwickelt und versendet Newsletter mit Neuigkeiten aus der Branche.

CSR-Label für Call Center in Frankreich angekündigt

 

Die Call-Center-Charta von UNI-Europa hat in Frankreich intensive Bemühungen der Gewerkschaften ausgelöst. Auf einer vom französischen Gewerkschaftsbund CFDT organisierten Konferenz für Betriebsräte der Call-Center-Branche kündigte der französische Sozialminister Jean Louis Borloo am 12. April 2005 die Schaffung eines CSR-Labels (Corporate Social Responsibility – gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen) speziell für ausgelagerte Call Center an. Ein solches Label, das Unternehmen für verantwortliche und ethische Praktiken im Umgang mit ihren Beschäftigten erhalten sollen, wird von der CFDT als positiver Schritt betrachtet.

 
 

Globalisierung in der IT-Industrie

Seit Dezember 2004 widmet sich das Gewerkschaftsprojekt MOOS dem Thema Offshoring, insbesondere dem Transfer wissensintensiver Arbeitsplätze in die Schwellenländer. Das Projekt wird von UNI Europa, dem Dachverband der Dienstleistungsgewerkschaften, koordiniert und von der Europäischen Union gefördert. Zum Projektteam gehören acht IT-Gewerkschaften aus sechs europäischen Ländern, darunter ver.di aus Deutschland.


 

Europa-Informationen aus Österreich

 

Mit einer gut gepflegten und ständig aktualisierten Seite zu europäischen und internationalen Fragen präsentiert sich die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) im Netz. Themenbereiche wie die EU-Osterweiterung, Europäische Betriebsräte oder grenzüberschreitende Fusionen werden behandelt, zahlreiche Dokumente stehen zum Download bereit. Seit März 2005 verschickt die GPA auch einen monatlichen elektronischen Newsletter zu europäischen Themen.


Neue Webseite deutschsprachiger Verkehrsgewerkschaften

Kürzlich haben mehrere Verkehrsgewerkschaften aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz gemeinsam mit der Europäischen Transportarbeiterföderation (ETF) das Internetportal "atenta" gestartet. Ziel ist es, Fragen der Europapolitik, der grenzüberschreitenden Verkehrspolitik und die Arbeitswelt Europas anschaulich zu präsentieren.

Zwar nicht in deutscher Sprache gehalten, aber dennoch auch für Nicht-Franzosen sehenswert ist der Internetauftritt der Arbeitnehmervertretung der SNCF. Der Gesamtbetriebsrat (französisch: "comité central d' entreprise") der französischen Eisenbahngesellschaft präsentiert dort Informationen, die auch für die örtlichen Betriebsräte in allen Teilen Frankreichs eine Fundgrube darstellen.


Restrukturierung und Personalabbau

Das "European Monitoring Centre on Change" (EMCC) liefert auf seiner Webseite viele praktische Beispiele, Informationen und Ideen über die (sozialverträgliche) Gestaltung von Restrukturierungsprozessen und den industriellen Wandel. Teil des Projektes, das die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen 2004 gestartet hat, ist auch der Europäische Restrukturierungsmonitor. Er beobachtet die Restrukturierungsprozesse, die in Europa stattfinden und trägt eine Vielzahl von Daten zusammen. Alle drei Monate wird eine Übersicht der aktuellsten Entwicklungen publiziert, die Ausgabe Frühjahr 2005 beschäftigt sich z. B. mit den Restrukturierungen bei der Deutschen Telekom und dem Modeunternehmen Nina Ricci. Eine weitere Studie untersucht die Personalabbaupolitik der HypoVereinsbank. Alle Berichte und die Webseite sind jedoch nur in englischer Sprache verfügbar.

Nicht überall wird Personalabbau sozialverträglich durchgeführt, in manchen Fällen stehen ganze Standorte zur Disposition. Im folgenden Beispiel handelt es sich dabei um eine politische Vorgabe des internationalen Managements, die betriebswirtschaftlich nicht zwingend wäre. Ihren Widerstand gegen die Standortschließung hat die Belegschaft im Internet dokumentiert.

Weitere interessante Webseiten haben wir in einer Linksammlung zusammengestellt.

 

 
 
Seit Januar 2005 ist eine neue "Fachzeitschrift für die erfolgreiche Interessenvertretung" auf dem deutschen Markt. Herausgegeben wird der betriebsrat vom Medienverlag des Instituts zur Fortbildung von Betriebsräten (ifb). Im April-Heft findet sich beispielsweise ein Interview mit Willy Buschak, dem Direktor der Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dublin. Buschak war zuvor als Sekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes in Brüssel zuständig für das Ressort Europäische Betriebsräte.
 
Ebenfalls in der April-Ausgabe ist ein Artikel von Werner Altmeyer über "Betriebsräte in Westeuropa" enthalten. Da es sich bei diesem Thema um Grundlagenwissen für viele EBR-Mitglieder handelt, haben wir den Beitrag unverzüglich auf unserem Server zum Download bereitgestellt. Innerhalb von acht Wochen wurde er dort bereits über 1.500 Mal abgerufen, eine Resonanz, die uns mehr als überrascht hat.

Leitfaden zum Europäischen Betriebsrat

Der belgische Gewerkschaftsbund CGSLB hat gemeinsam mit dem DGB und dem polnischen Gewerkschaftsbund OPZZ eine Broschüre über die Bildung und Funktionsweise von Europäischen Betriebsräten erstellt. Zuvor wurde in einem von der EU geförderten Projekt die EBR-Arbeit in den beteiligten drei Ländern untersucht.

Der Leitfaden vermittelt in knapper Form Grundlagenwissen. Zunächst werden einzelne Schritte dargestellt, die bei der Errichtung eines EBR zu beachten sind. Der zweite Teil nimmt die Verbesserung der Arbeit von bestehenden Europäischen Betriebsräten ins Blickfeld. Die Broschüre ist im April 2005 in mehreren Sprachen erschienen und kostenlos.


Informationen zur Bolkestein-Richtlinie

Am 2. Juni 2005 stellte die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) auf einer Konferenz zur EU-Dienstleistungsrichtlinie eine neue Broschüre vor. Die österreichische Gewerkschaft will damit Fakten und Argumente zu einem Thema liefern, das in der EU jeden betreffen würde und das in jüngster Zeit alle europäischen Gewerkschaften stark bewegt hat.

Seit Januar 2004 liegt der Entwurf für diese umstrittene Richtlinie - benannt nach dem damaligen EU-Kommissar Bolkestein - vor. Sollte der Entwurf für eine völlige Liberalisierung des Dienstleistungsmarktes in Kraft treten, droht ein europaweites Dumping bei Löhnen, Arbeits- und Umweltschutz.


Entsenderichtlinie im Baugewerbe untersucht

Die grenzüberschreitende Mobilität im Europäischen Binnenmarkt zeigt sich in der Praxis vor allem in der Gruppe der Führungskräfte sowie bei Arbeitnehmern im Baugewerbe. Im Rahmen seiner Schriftenreihe hat das Europäische Institut zur Erforschung der Arbeit im Baugewerbe (CLR) kürzlich eine Untersuchung über die Entsenderichtlinie in zehn Ländern vorgelegt. Die Studie beinhaltet auch gemeinsame Empfehlungen der europäischen Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften der Bauindustrie und ist in mehreren Spachen verfügbar, darunter auf Deutsch.

Jan Cremers/Peter Donders (Hrsg.):

Freizügigkeit der Arbeitnehmer in der EU

CLR Studies 4, Den Haag 2005, ISBN 90-5901-508-8, € 12,-

 
Das Institut verschickt quartalsweise einen Rundbrief (CLR-News) in englischer Sprache, der auch zum kostenlosen Download zur Verfügung steht.
 
  11. Trainings- und Beratungsnetz "euro-betriebsrat.de":
         Beispiele aus unserer Arbeit
 
DESY: Europäische Arbeitnehmervertretung für die Grundlagenforschung angestrebt

Am 24. Januar 2005 haben neun europäische Länder ein "Memorandum of Understanding" zum Bau des Röntgenlasers XFEL unterzeichnet, zwei weitere Länder sind inzwischen gefolgt. Die Anlage soll beim Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg entstehen, wo heute schon mehr als 1.500 Menschen arbeiten, viele davon aus dem Ausland. Für den Gesamtbetriebsrat von DESY stellt sich mit dem Projekt XFEL erstmals die Frage nach einer europäisch vernetzten Interessenvertretung. Zu diesem Zweck wurde Werner Altmeyer vom Trainings- und Beratungsnetz "euro-betriebsrat.de" als Berater hinzugezogen, die Auftaktveranstaltung fand am 23. Mai 2005 statt. Im Fachbereich Wissenschaft und Forschung von ver.di wäre es die erste europäische Arbeitnehmervertretung überhaupt.

 

EBR-Beratung bei Johnson & Johnson

Europaweite Distributionsplanungen des amerikanischen Medizinproduktekonzerns Johnson & Johnson standen am 5. und 6. April 2005 neben anderen Themen auf der Agenda eines Inhouse-Workshops für dessen größte Tochtergesellschaft Ethicon. Im Rahmen des "European Distribution Projects" zeichnet sich die Schließung von mehreren Standorten zugunsten eines Zentrallagers ab. Vor diesem Hintergrund diskutierten Werner Altmeyer vom Trainings- und Beratungsnetz "euro-betriebsrat.de" und Michael Bonder von der Technologieberatungsstelle Niedersachsen mit den Arbeitnehmervertretern über eine bessere Verzahnung der nationalen Gremien mit der Arbeit des Europäischen Betriebsrates.

Der Sprecher der Arbeitnehmerseite im EBR, Gerhard Fischer, bemüht sich derzeit um eine bessere Betreuung seines Europäischen Betriebsrates. Wie dies konkret aussehen kann, wird jetzt mit dem Generalsekretär der Europäischen Chemiegewerkschaften (EMCEF), Reinhard Reibsch, diskutiert.

 


 

Erfolgreiche Gespräche in Paris

Die Versendung der EBR-News wird auch außerhalb Deutschlands mit Spannung verfolgt. Der Bedarf an zielgerichteten und zeitnahen Informationen zu EBR-Themen ist im französischen Sprachraum nicht geringer als hierzulande. Am 26. April 2005 fand daher in Paris ein Gespräch über die Bündelung der deutsch-französischen Bemühungen bei der Informationspolitik für Europäische Betriebsräte statt. An dem Gespräch nahmen teil: Mireille Battut und Sonia Mesters aus der internationalen Abteilung der Beratungsgruppe Alpha, Prof. Dr. Heinz Bierbaum vom INFO-Institut in Saarbrücken und Dr. Werner Altmeyer vom Trainings- und Beratungsnetz "euro-betriebsrat.de".

Die Groupe Alpha hat etwa 900 Mitarbeiter und ist in Frankreich Marktführerin bei der Beratung von Betriebsräten (französisch: "comité d' entreprise"), insbesondere in betriebswirtschaftlichen Fragen. Das Unternehmen ist ständiger Berater für etwa 30 Europäische Betriebsräte vorwiegend französischer Herkunft und führt Seminare durch. Als Ergebnis des Gesprächs wurde vereinbart, zunächst bei etwa 50 EBR-Gremien eine Studie über deren Informationsbedarf zu erstellen.

Um die deutsch-französische Kooperation auch in den englischen Sprachraum hinein auszudehnen, sollen in Kürze erste Vorgespräche mit potentiellen britischen Partnern beginnen.


Unsere Publikationstätigkeiten

Für die EBR-News 1/2005 hatte unsere Newsletter-Redakteurin Kathleen Kollewe ein Interview mit dem EBR-Vorsitzenden von General Motors, Klaus Franz, durchgeführt. Dieses Interview ist nicht nur bei unseren Lesern auf großes Interesse gestoßen, sondern auch bei der Presse. Am 30. März 2005 wurde eine etwas ausführlichere Fassung in der Frankfurter Rundschau abgedruckt.

Für die Fachzeitschrift Arbeitsrecht im Betrieb untersuchte Reingard Zimmer, Juristin im Trainings- und Beratungsnetz "euro-betriebsrat.de", die rechtlichen Grundlagen der Informationsrechte von EBR und Wirtschaftsausschuß bei drohenden Produktionsverlagerungen. Den zugrundeliegenden Fall des schweizerischen Forbo-Konzerns hatten wir in den EBR-News 4/2004 kurz dargestellt.

Unterschiedliche Betriebsverfassungen der europäischen Länder rufen immer wieder interkulturelle Mißverständnisse hervor, Probleme für die Strategieentwicklung im EBR können die Folge sein. Dieses Thema war Gegenstand eines Interviews von Werner Altmeyer für die Wochenzeitung Das Parlament. Sie wird vom Deutschen Bundestag herausgegeben und hatte am 30. Mai 2005 "Tarifliche Bündnisse und betriebliche Mitbestimmung" als Schwerpunktthema.

Weitere Veröffentlichungen finden Sie auf unserer Publikationsseite.


 
Leserbriefe und Empfehlungen in der Gewerkschaftspresse
 
In den letzten Wochen haben wir wieder zahlreiche Rückmeldungen von Newsletter-Lesern erhalten, hier einige Beispiele:
 
Liebe EBR-Spezialisten,
ich finde es echt Klasse, Eure aktuellen Informationen zu unserem gemeinsamen Thema! Als EBR-Vorsitzender kann ich Eure Mitteilungen bestens bei meiner "EBR-Team"-Arbeit einflechten.
Helmut Dietterle, EBR-Vorsitzender TRW Automotive, Electronics & Components, Radolfzell
 

Klasse! Ich möchte mich als EBR der Firma Dow Deutschland für die sehr gute und informative Internetseite bedanken.

Thomas Mellin, EBR-Mitglied, Dow Chemical, Werk Stade

 

Danke für die Links... dort sind sehr gute Informationen zu finden!! Habe mir erlaubt, den Link an meine ausländischen Kollegen zu forwarden. Ich war vorgestern/gestern auf unserem jährlichen Meeting und hab die Leute neugierig gemacht... Einige haben noch nie von den gesetzlichen Rahmenbedingungen gehört!
André Brauer, EBR-Mitglied, Lilly Forschung, Hamburg

Auch die Gewerkschaftspresse findet positive Worte. Am 26. März 2005 empfahlen die ver.di-News, Infoservice für Aktive unsere Webseite und die EBR-News. Am 15. Mai 2005 wurden wir im Europa-Newsletter der österreichischen Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) besonders hervorgehoben.

  12. Aktuelle Seminartermine
 

 

Wir bieten folgende Seminare - zum Teil in Kooperation mit verschiedenen Bildungsträgern - an:

 

Betriebsratstätigkeit in Europa - Der Euro-Betriebsrat (EBR)
Rechtliche Grundlagen - Errichtung - Interkulturelle Kommunikation

25. - 30.09.2005 in Brüssel

26. - 28.10.2005 in Dresden

 

Sprachkurs Englisch für Betriebsratsmitglieder
17. - 21.10.2005 in Hannover

weitere Infos zum Sprachkurs

 

Die praktische Arbeit Europäischer Betriebsräte
Workshop für den Organisationsbereich der Gewerkschaft ver.di
19. - 21.10.2005 in Undeloh

weitere Infos zu diesem Workshop

 

Wirtschaftliche Daten als strategisches Instrument des EBR
09. - 11.11.2005 in Saarbrücken

weitere Infos zu diesem Seminar

 

Inhouse-Veranstaltungen

Eine Übersicht über die Themen für Inhouse-Veranstaltungen finden Sie hier:

Themen für Inhouse-Seminare

Themen für Fachvorträge

 

Alle Seminare und der Sprachkurs finden auf der Grundlage von § 37,6 BetrVG statt.

 

  13. Impressum
 

Die EBR-News werden herausgegeben von:

 

Trainings- und Beratungsnetz "euro-betriebsrat.de" GbR

Von-der-Tann-Straße 4, D-20259 Hamburg
www.euro-betriebsrat.de (Deutsch)

www.euro-ce.org (Französisch)

 

Mitarbeiter/innen dieser Ausgabe:

Werner Altmeyer, Kathleen Kollewe, Sascha Stockhausen, Reingard Zimmer

 

Verteiler: 3.337 Empfänger

 

Newsletter-Archiv: www.ebr-news.de

 

Hier können Sie die EBR-News beziehen oder abmelden.

 

Wir freuen uns über Anregungen zu diesem Newsletter und über Berichte aus Ihrem EBR.

Bitte schreiben Sie uns: info@euro-betriebsrat.de